1. Allgemeine Grundlagen
2. Realismus als literarisches Prinzip
3. Die Hauptgattung des Realismus: der Roman
o Hauptvertreter
4. Der poetische Realismus in Deutschland
o Hauptvertreter
5. Zu Drama und Lyrik
1. Allgemeine Grundlagen
Wie der Begriff anzeigt, geht es dem Realismus um die Wirklichkeit, d.h. um das, was im 19. Jh. oft unter Wirklichkeit verstanden wurde: die beobachtbare, durch die Sinne wahrzunehmende Wirklichkeit des Menschen und der Natur. Eine solche Auffassung von Realität grenzte sich bewußt ab von jeglichem Übernatürlichem (z.B. Religion), das man als Illusion, als "unwirklich" ansah.
Beispiele
Charles Darwin (1809-1882): Nach seiner Lehre ist die Natur geprägt vom Kampf der Arten um das Überleben. Nur diejenige Art setze sich durch, die sich der Umwelt am besten angepaßt habe. Auch der Mensch sei Teil der Natur, das Produkt der Naturgeschichte (Evolution). Eine solche Auffassung widersprach der gängigen biblischen Lehre, nach der die Natur und v.a. der Mensch eine Schöpfung Gottes ist. Ludwig Feuerbach (1804-1872): Er sprach der Religion jeglichen Realitätsgehalt ab und interpretierte sie als Erfindung des Menschen. Karl Marx (1818-1883): Philosophie, Religion, Recht und andere Geisteswelten seien nicht das, was sie vorgeben, sondern nur verschleierter Ausdruck ökonomischer ("realer") Interessen. Materialismus: philosophische Richtung, die die Materie, die objektive, außerhalb des Bewusstseins existierende Wirklichkeit als das Primäre, Bestimmende ansieht.
Solchem Denken entsprach die gesellschaftlich-historische Entwicklung des 19. Jh. Das Materielle, Ökonomische gewann immer mehr an Bedeutung.
Stichworte
• Ausbreitung der Industrialisierung, des Kapitalismus bis zu einem weltweiten System (Imperialismus);
• Bürgertum wird zur beherrschenden Klasse, Aufkommen der Arbeiterklasse, Soziale Frage, Arbeiterbewegung;
• Fortschritt der Technik
2. Realismus als literarisches Prinzip
Die literarische Entsprechung zu den skizzierten Zeitströmungen war der Realismus. Er ist erst in Verbindung mit zwei anderen literaturgeschichtlichen Epochen hinreichend zu verstehen: der Klassik und der Romantik.
REALISMUS KLASSIK ROMANTIK ernsthafte Behandlung von alltäglichen menschlichen Problemen vom Alltäglichen konnten nur "niedere" Gattungen handeln (z.B. Komödie) Errichtung einer wirklichkeitsfernen Welt von beliebigen Individuen in einem ganz bestimmten gesellschaftlichen, historischen Kontext meist bekannte oder typische Figuren, die wie Ort und Zeit von der Tradition vorgegeben waren in verständlicher Darstellung (Prosa) Verstehen erfordert Kenntnisse der Tradition, bestimmter literarischer Formen, Umgang mit einer besonderen Sprache.
3. Die Hauptgattung des Realismus: der Roman
Am den Merkmalen des literarischen Realismus wird deutlich, daß der Roman ihnen am besten gerecht werden konnte. So sind die namhaftesten Werke des Realismus Romane.